Zur Geschichte des Centovalli

Übersetzung eines Artikels aus der Zeitschrift „Treterre“ Nr. 24 vom Frühjahr 1995 (Seite 45 bis 48)
Übersetzerin unbekannt – editiert durch die Assoziazione Pro Costa di Borgnone im Mai 1997

(Ich  habe diese mit Schreibmaschine erfassten Übersetzungen digitalisiert – dabei jedoch auf „neuzeitliche“ Rechtschreibung und grammatikalische Anpassungen verzichtet, um den Übersetzungstext im Original zu belassen.
Robert Zuber)

Aus dem Archiv des Patriziates von Borgnone –  neue Informationen über die Geschichte der Centovalli.

Im Dezember vorigen Jahres hat das Patriziat von Borgnone bei seiner Versammlung sein Archiv vorgestellt, das von Professor Tiziano Petrini geordnet und katalogisiert wurde. Diese wichtige Arbeit trägt dazu bei, dass wir die Geschichte des Tales aus einer neuen Perspektive sehen können, auch wenn die noch vorhandenen Dokumente nicht unbedingt zahlreich sind. Das aus verschiedenen Quellen stammen die Material wurde nach Themen und Zeiten geordnet und auf 14 Archivschachteln um mehr als 20 Bücher und Ordner verteilt. Die gesammelten Informationen betreffen teilweise die alte Gemeinde Centovalli, die Pfarrei und die neue Gemeinde Borgnone, die auf Beschluss vom 9. September 1838 gegründet wurde. Historisch gesehen besonders wichtig sind die Schriften, die die damalige Gemeinde betreffen und die sich hinter Archivschachtel Nr. 1 befinden. Beachtenswert ist auch das Protokollbuch der Gemeinderatssitzungen von 1733 bis 1838, da sich die beiden Gemeinden Palagnedra und Borgnone seit 1838 selbst verwalten.

 

Fünf wichtige Urkunden von 1297 bis 1522

Mit größter Wahrscheinlichkeit sind diese Dokumente, bzw. ihr Inhalt, die ältesten noch vorhandenen Schriftstücke. Die Originale, auf Pergamentpapier in Latein verfasst, gingen verloren, sie wurden aber vorher im Jahr 1784 von Guglielmo Antonio Ferrini, einem Notar in Berzona, abgeschrieben, und vom Notar Pietro Antonio, Sohn des verstorbenen Petronio Mazzi aus Palagnedra beglaubigt.

Von der ältesten Urkunde, die am 6. Mai 1297 im Gebiet Dissimo verfasst wurde, existiert eine Übersetzung ins Italienische, die der Pfarrer von Borgnone, Enrico Pisoni, 1903 anfertigte. Darin wird der Verkauf von einem Stück Land festgelegt, dass im Vigezzotal bei den Dörfern Olgia, Dissimo und Folsogno liegt.

Dieses Dokument erweist sich als sehr interessant, nicht nur wegen der Informationen über Grenzen und Almen, die für eine weitere gezielte Forschung sicherlich hilfreich sind, sondern auch, weil darin sehr viele Namen und Ortsnamen vorkommen. So werden z.B. einige Namen von Bergen und Gegenden erwähnt, bei denen wir eine starke Ähnlichkeit mit den jetzt gebräuchlichen Bezeichnungen Monte Rotondo, Val Mara, Pizzino, Piodato, Ribellasca und Alm Ruscada feststellen können. Darunter befinden sich auch die Namen der schon erwähnten Dörfer Olgia, Dissimo und Folsogno, die damals der Diözese Novara angehörten, und ebenso Camedo und Palagnedra.

Diese erste Urkunde enthält eine Liste von ungefähr 40 Namen von Einwohnern von Olgia, Dissimo und Folsogno, unter denen viele mitsamt Familiennamen und Herkunftsort genannt, andere dagegen mit einer Art von Familienspitznamen bedacht werden. Wenn wir die Familiennamen betrachten und sie mit denen des zweiten Dokumentes vergleichen, das Bewohner von Centovalli erwähnt, stellen wir fest, dass die Namen sehr verschieden sind und nichts gemeinsam haben. Dies könnte ein Beweis dafür sein, dass kaum Beziehungen zwischen den beiden Gemeinden bestanden. Einzige Ausnahme stellen die Nachnamen Guidetti und Arditzi dar, die in Costa und in Verdasio auftreten und auf Kontakte mit den Gemeinden der Centovalli zurückzuführen sind.

Unter den seltenen Namen von Centovalli werden ein gewisser Guglielmo, Notar in Centovalli, Sohn des verstorbenen Jacobi Maze de Oro, ein anderer Guglielmo di Camede de Centovallibus und ein dritter Dominicus de Oro, Sohn des verstorbenen Adde de Pallagnedrio in Centovallibus erwähnt.

Die zweite Urkunde aus Palagnedra, die ursprünglich am Sonntag, den 14. April 1361 aufgesetzt wurde, ist eine lateinische Übersetzung von 1784. Auch hier handelt es sich um den Verkauf einiger Stücke Land der Gemeinde an „Johannis, Sohn des verstorbenen Merani Corregie de Lionza de Centovallibus“, eine interessante Information für weitere Forschungen. Wie im ersten Vortrag werden sehr viele, nämlich ungefähr 40, für diese Zeit charakteristische Vor-und Nachnamen aus der Gemeinde genannt. Dabei erfahren wir auch, dass das heutige Gebiet Costa damals unter dem Namen „Bagnatore“ bekannt war. Erwähnt wird auch ein Ortsteil „Colorzio“ dessen Lage und heutige Bezeichnung bis jetzt leider nicht genau festgestellt werden konnte. Es wird zwar vermutet, dass damit der untere Teil des Dorfes Costa gemeint ist, der noch heute auf Dialekt „Culunz“ genannt wird, eine Bezeichnung, die wohl auf das alte Colorzio zurückgeht.

Vor ein anderes Rätsel stellt uns der Name „Cadole“ der von dem Nachnamen von „Bernardinus, Sohn des verstorbenen Jakobi Cadole“ oder „Gullielmus, Sohn des verstorbenen Locarnini Cadole“ oder von einer Ortschaft dieses Namens abgeleitet sein könnte. Heutzutage lässt sich bei einigen Nachnamen mehr oder weniger die alte Form erkennen, vor allem im Gebiet Centovalli. Manche Namen sind spurlos verschwunden, andere wiederum haben eine modernere Version angenommen. Dazu ein paar Beispiele: So finden wir den Namen „Demoldettus, Sohn des verstorbenen Jacobi de Bagnatore“ 1522 in „Moldetti alla Costa“. Dies bestätigt auch den alten Namen eines Ortsteiles der heutigen Gemeinde Borgnone. (Es folgen ca. 10 weitere Vergleiche alter und neuer Namen, darunter Ableitungen der Namen Guidetti, Poletti, Arditzi Brochi und Mazzi, sowie deren vermutliche ursprüngliche Herkunft). Eher kurios dagegen ist der Name eines Ortsvorstehers der Gemeinde, „Jacobinus Domenicus Falchettus“ (= der kleine Falke).

Es muss aber darauf hingewiesen werden, dass die Feststellungen und Theorien bezüglich der Namen vorsichtig angenommen werden sollten, weil die Namensforschung ein schwieriges Gebiet ist, zumal man nicht mit Sicherheit weiß, wie die Namensentwicklung zu den heutigen Namen geführt hat. Es ist anzunehmen, dass man es 1297 mit den Namen nicht so genau nahm wie heutzutage. Man müsste sich in die damalige Denkweise und Lebensart versetzen, aber um dies zu erreichen, wären weitere Dokumente dieser Zeit erforderlich. Diese Betrachtungen stellen ein vorläufiges Ergebnis dar, und können vielleicht in der Zukunft eine Bestätigung finden.

Von den darauffolgenden zwei Urkunden regelt die eine vom Jahr 1471 die Nutzung der Almen zwischen den Gemeinden von Centovalli und Intragna. Die andere des folgenden Jahres enthält die Pachtbedingungen einer Alm unterhalb Ruscada, im Gebiet „Oro Arso“. Beide sind auf Latein und enthalten sonst wenige Informationen, nur das Thema, d.h. die damaligen Gegebenheiten auf der Alm Ruscada und in der Umgebung können von Interesse für den Forscher dieses Gebiet sein.

 

Die „Resinatti“ des Vigezzotales (Harzsammler)

Als sehr interessant erweist sich die Urkunde von 1522, von der eine Kopie in deutscher Sprache und eine italienische Übersetzung des Priesters Pisani vorhanden sind. Sie enthält die Zeugenaussagen von 13 Bewohnern des Vigezzotales, der Gemeinden Centovalli, Intragna und Onsernone über den endlosen Streit zwischen Orello de Orello aus Locarno und Romerio aus der Gemeinde Onsernone um den rechtmäßigen Besitz einiger Almen. Bei einer genaueren Untersuchung dieses Textes erweisen sich zahlreiche Daten als interessant, da sie unsere Forschungsergebnisse bestätigen, sodass der Streit, zu dem die Zeugen ihre Aussagen machen, nicht mehr so wichtig für uns erscheint, aber sicherlich für andere Forscher, die diesem Thema tiefer nachgehen wollen.

Der erste Zeuge, „Giò Comeo“ aus Dissimo, behauptet, „er habe sich mit anderen Nachbarn mehrmals zu verschiedenen Zeiten im Wald Ruscada aufgehalten, um dort Terpentin, d.h. Harz von den Lärchen dieses Waldes zu sammeln“. Dies ist eine wichtige Angabe über unsere Vergangenheit, die weitere Untersuchungen verdient. Beim Weiterlesen finden wir „Bernardo“ aus Olgia, der diese Beschäftigung bestätigt, indem er behauptet, „er wisse, dass seine Nachbarn in den schon erwähnten Wald Ruscada gegangen seien… um Harz zu sammeln. Dafür hätten sie die Erlaubnis der Centovallibewohner gehabt“. Auch „Pietro, Sohn von Antonio“ aus Dissimo bestätigt „einmal sei er in Borgnone gewesen, als Ambrogio Buffoni aus Dissimo Leute aus Borgnone um Erlaubnis bat, Harz im Wald Ruscada sammeln zu dürfen; Ambrogio habe sie von den schon erwähnten Personen aus Borgnone erhalten“.

Daraus lässt sich schließen, dass damals mit Harz viel gehandelt wurde. Im Beschlussbuch der alten Gemeinde Centovalli, das wir später betrachten werden, lesen wir 1771, 200 Jahre später, dass die Harzsammler noch tätig sind; in der Vicinanza (Versammlung) am 24 Juni finden wir einen Vermerk, der bescheinigt, dass „Giuseppe, Sohn von Antonio Zan aus Vaucogno (Vocogno) aus dem Anzascatal die Genehmigung erteilt wurde, Lärchenharz für L. 37:10 zu gewinnen. Derselbe Betrag erscheint regelmäßig in den Registern der darauffolgenden Jahre. Diese Summe entsprach dem Lohn von 18 bis 19 Arbeitstagen eines Arbeiters. Leider wissen wir nicht, wie die Vigezzer dieses Naturprodukt verwendeten und warum die benachbarten Gemeinden der Centovalli diese Tätigkeit nicht ausübten. Da das Vigezzotal für seine Maler berühmt war, können wir nur vermuten, dass das zu Terpentin verarbeitete Harz zur Vorbereitung und Verdünnung von Farben diente. Diese durch unsere Arbeit noch unbewiesene Annahme wäre zu prüfen. Diese Urkunde bietet uns noch weitere Informationen, was Vor- und Nachnamen anbelangt. Auch hier müssen wir feststellen, dass unsere Vorfahren nicht ganz genau mit Personenbezeichnungen umgingen.

Aus den Zeilen dieses Dokumentes erfahren wir die damaligen Umstände; die benutzte Sprache enthält einfache Ausdrücke. Es handelt sich um eine Verhandlung, daher fühlten sich die Notare wahrscheinlich verpflichtet, so genau wie möglich die Beiträge der Befragten aufzusetzen. Dies ist anders als bei den Vicinanze, denn hier hat der Beamte vom Dialekt ins Italienische „übersetzt“, manchmal nicht unbedingt wortgetreu, woher die Unterschiede in der Schreibweise eines Namens rühren. Dazu ein klares Beispiel: Ein „Giovanni Fiore aus Verdasio“ auch „Giovanni della Fiora“ genannt, kaufte Holz von einer Person aus Lionza, die später als „Dufesa, Giacomo, genannt Dufesa, Zanino aus Lionza, Zane aus Lionza“ zitiert wird.

Ein Beweis dafür, dass man auch auf genauere Altersangaben nicht so viel Wert legte: Unter acht Befragten kann fast niemand das eigene Alter angeben, die Antworten schwanken zwischen 40 und 50 Jahren oder mindestens 40 oder darüber, um die 35 oder 40 Jahre, 45 bis 50 Jahre alt; ein Befragter sagt auch, er könne sich an sein Alter nicht erinnern. Nur in zwei anderen Fällen wurde ein genaues Alter angegeben, allerdings können wir die Richtigkeit der Angaben nicht überprüfen. Einer von diesen zwei Männern antwortete, „er sei 60 Jahre alt, seit 40 Jahren könne er sich dank seines guten Gedächtnisses an das eigene Geburtsjahr erinnern“. Daher unsere Bedenken. Interessanter klingt seine Aussage, wenn er fortfährt „er sei mehrmals und in verschiedenen Zeiten im Dorf nicht anwesend gewesen, auch ein Jahr lang“. Es handelt sich hier um einen Emigrationsfall. Diese Eintragungen beziehen sich auf den Anfang des 16. Jahrhunderts.

Für uns lustig, aber damit betrachten wir diesen Fall nur einseitig, ist die erwähnte Begebenheit, die von „Bernardo, Sohn des verstorbenen Ardizio aus Verdasio“ erzählt wird. Als er sich mit seinem Onkel väterlicherseits „Giacometo“ auf dem Berg, der der Grund des Streites war, befunden habe, habe er von diesem eine deftige Ohrfeige bekommen. Auf Anfrage, warum er geschlagen worden sei, habe der Onkel geantwortet, er sollte dadurch nie vergessen, dass hier eine wichtige Verabredung stattgefunden habe (oder: dass hier eine wichtige Grenze verlaufen würde).

Diese erste Sammlung alter Dokumente der ehemaligen Gemeinde Centovalli endet mit dem Urteilsspruch, der vom Kommissar des Bundes der zwölf Kantone, „Enrico Buttiner aus Urania“ (Enrico Püntiner aus Altdorf war in Locarno von 1556 bis 1558 Landvogt) ausgesprochen wurde und der sich auf die in dem vorhergehenden Dokument gesammelten Aussagen bezieht.

Zwischen dieser und der darauffolgenden Urkunde vergehen mehr als 160 Jahre, aus denen wir leider keine Informationen haben. Erst auf 1720 ist eine Urkunde datiert, die sich auf einen Streit über die Grenzen zwischen der Gemeinde Intragna und Ovigo bezieht. Es kommen auch sieben für uns nicht so wichtige Dokumente vor, die aber bestimmt interessant für Forschungen über den ewigen Almenstreit sind.

Anschließend stehen wir vor dem „Prachtstück“ der Sammlung, dem „Buch der Centovalligemeinde über Beschlüsse, Grenzenfestlegungen, Buchhaltung und andere Angelegenheiten dieser Gemeinde“, das aus dem „Anno Domini 1733“ stammt.

 

Das Buch der Beschlüsse der alten Centovalligemeinde

Dieses Buch enthält nicht nur eine breite Palette von Informationen, sondern auch das Protokoll der „Vicinanza“, der Versammlungen von 1733 bis 1838, dem Jahr der Trennung der Gemeinde. Was das Aussehen betrifft: es handelt sich um eine elegante und solide Verarbeitung, das Buch ist 24 cm breit, 37 cm lang und 8 cm dick und hatte einen Lederumschlag. Es sind 576 Seiten, die paarweise von 1 bis 288 nummeriert sind und die bis Seite 175 mit Eintragungen versehen sind; bzw. 350 Seiten, die nach Sechszehnteln genäht sind. Das Papier ist sehr widerstandsfähige und bester Qualität. Obwohl alle Seiten vorhanden sind, fehlen die Beschlüsse von 1735 bis 1751, die wahrscheinlich in einem anderen Dokument registriert wurden.

Es gibt keine Angaben, ob andere vorherige Bücher existierten: nur eine Nachricht lässt es vermuten und zwar die über den „dem Konsul Simoni für den Preis dieses Buches, Lira 25“ bezahlten Betrag, der dem Lohn von ungefähr 12 Arbeitstagen eines Arbeiters entsprach. Die ersten Seiten enthalten Angaben über die Reparatur der „Kasse der Gemeinde“, die anscheinend die wichtigsten Dokumente enthielt. Dem Handwerker „Giò Fantoni“ wurden dafür Lira 8 und dem Eiter Andrea Manfrina der Lohn zweier Arbeitstage bezahlt. Die Ausgabe für den Kauf des Buches sowie die für die Reparatur zeigen uns, dass die Gemeinde sich bemühte, Ordnung in die auf den ersten Blick verwahrloste Situation der Verwaltung zu bringen.

Das Buch beginnt 1733, „an einem Donnerstag, den 13. August“. Gleich am Anfang erfahren wir, dass die Gemeinde in einer solchen Krise steckte, dass die zuständigen Räte ein Dokument niederschreiben mussten, um die Bindungen unter den“ vier Gebieten von Solivo und den vier von Ovigo“ zu festigen, weil diese aus Besitzgründen „beschlossen hatten, die Gemeindegebiete zu unterteilen“.

Es soll hier daran erinnert werden, dass die Gemeinde Centovalli, deren Name in Dokumenten schon Ende des 13. Jahrhunderts erscheint, die vier Dörfer Camedo, Borgnone, Lionza und Costa Richtung Solivo und Rasa, Bordei, Palagnedra und Moneto Richtung Ovigo einschließt; jedes Dorf stellte seinerseits eine Terra, ein Gebiet dar, das eine gewisse Autonomie der Gemeinde gegenüber genoss und auch eigene Besitztümer hatte; daher ist es leicht zu verstehen, dass sich das Gleichgewicht zwischen Terra und Gemeinde Centovalli zugunsten des eigenen Gebietes verschob, zu dem sich die Bürger der Gemeinde aus eigenen Interessen zugehörig fühlten.

Die Verwaltung der Gemeinde Centovalli, eine unter den 13 Gemeinden des Pfarrbezirke von Locarno, bestand aus einem Konsul, der ungefähr ein Jahr lang sein Amt ausübte, und aus acht „officiali“, den Vertretern der Terre, der Gebiete.

Die „Vicinanze“, d.h. die Versammlungen fanden abwechselnd in Palagnedra und in Borgnone statt. Normalerweise fanden die Versammlung von San Giovanni (St. Johannes), am 24. Juni und die über den Haushalt, am ersten Novembersonntag, in Palagnedra statt. In Borgnone fand eine Mitte August statt. Ab 1777 wurde auch das „l‘oratorio dei Sirti“ zum Versammlungsort und ab 1803 zum Hauptsitz der Versammlungen.

Die Teilnahme an den Versammlungen war sehr unregelmäßig, sie schwankte zwischen 20 und 40 Bürgern. Wir können nicht feststellen, ob die Teilnehmerzahl von der saisonbedingten Emigration oder von anderen wichtigen oder weniger wichtigen Tätigkeiten der Bürger abhängig war. Wir können keine Schlüsse daraus ziehen, auch weil der Gemeindeschreiber dem Protokoll nicht immer eine genaue Anwesenheitsliste hinzufügte, meistens trug er nur „anwesend sind die meisten von denen, die sich zurzeit in unserem Dorf befinden“ ein.

Erst durch die Helvetische Gesetzgebung von 1798 änderte sich die Situation auf dem Papier; dadurch hatten 102 „aktive Bürger“ das Recht daran teilzunehmen, von denen sich aber nur 75 in ihrem Dorf befanden; dies trug nicht dazu bei, dass die Teilnehmerzahl stieg, denn sie blieb ziemlich konstant bei 40 Personen.

Leider ist mir der Autor des originalen italienischen Beitrags in der Zeitschrift „Treterre“ nicht bekannt. Wenn Du mir einen Hinweis geben kannst oder gar über die Originale verfügst, bin ich Dir um einen Kommentar im Blog sehr dankbar.

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