Verunreinigtes Trinkwasser

UPDATE 22. Juni 2018: Das Trinkwasser in Costa Borgnone ist ab sofort wieder geniessbar. Das Wasserwerk der GemeindeCentovalli empfiehlt, das Trinkwasser vor Gebrauch während 5 Minuten laufen zu lassen.

Alle Jahre wieder erfahre ich mehr oder weniger zufällig, dass das Trinkwasser bis auf Weiteres ungeniessbar sei. Nicht einmal Zähne putzen darf man damit und schon gar nicht das Küchengeschirr abwaschen.

Die Mitteilung der Comune delle Centovalli gilt nur für Costa sopra Borgnone. Mein Nachbar hat mir das italienischsprachige Flugblatt gebracht. Die Merkblätter wurden aber vor jedes Haus gelegt und mit einem Stein beschwert. Wie in der Steinzeit.

Abgesehen von kräftiger Diarrhoe und starken Winden lebe ich immer noch! Vielleicht sollte die Gemeinde zum Flugblatt noch ein Fläschen Grappa verteilen. Das desinfiziert doch gut.

Nicht nur beim Trinkwasser spürt man die Nähe zu Italien. Auch der Dorfplatz dieses grenznahen „paese“ strahlt Italianità aus…

Im Niemandsland

Mehr als ein Monat ist seit dem Felssturz im Val Vigezzo vergangen und es wird noch länger dauern, bis wieder ein Zug oder ein Auto die Schweizer Grenze passiert.

Die beste Gelegenheit, die gespenstisch einsam anmutende Landesgrenze zu Fuss zu überschreiten und eine kleine Wanderung ins Niemandsland zu unternehmen. Nur wenige Meter der SS37 entlang zweigt rechts ein Wanderweg nach Olgia und Dissimo oder gar bis nach Rè ab. Der gut erhaltene Römerpfad ist leicht zu begehen. Nach einem steilen Anstieg durch den Wald mit schönen Ausblicken auf den Melezzo (der Fluss heisst im Centovalli „die Melezza“) hinunter führt Dich der Weg gemächlich in 40 Minuten nach Olgia.

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Das kleine Dorf Olgia, das Gegenüber des schweizerischen Costa Borgnone sopra Camedo, ist ebenso ausgestorben wie der Grenzbereich. Der einzige Mensch, den ich dort sehe, ist eine Frau, die im unteren Dorfteil in der Türe steht. Auf mein Zurufen und Winken gibt’s aber keine Reaktion. Bin ich der Geist? Einzig ein paar Autos stehen auf dem Dorfplatz. Diese passen wohl zu den Motorrädern, die ich am Anfang des Weges gesehen habe. Ein paar clevere Italiener werden wohl mit dem Auto von Domodossola nach Olgia fahren und von dort mit der Enduro zur Grenze hinunter wo ein zweites Auto zur Weiterfahrt nach Locarno steht.

Eine traurige Geschichte für die Menschen beidseits der Grenze. Die Italiener fühlen sich hier wohl noch stärker am Ende der Welt, als die Schweizer. Hoffentlich hat diese Sperre für Strasse und Centovallina bald ein Ende…

Historische Luftbilder

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Die ETH Bibliothek Zürich stellt mit der Plattform e-pics  eine riesige Sammlung von Bildern der Wissenschafts- und Technikgeschichte, aus Fotoarchiven und Fotografen-Nachlässen öffentlich zur Verfügung. Darunter finden sich zahllose Luftaufnahmen und Postkarten aus dem Tessin, viele davon aus den Centovalli. Die älteren Schwarz-Weiss Aufnahmen stammen  von Walter Friedli und datieren ab 1953. Die neueren sind Luftaufnahmen der ehemaligen Fluggesellschaft Swissair (1964 – 1994).

Dass relativ viele Aufnahmen Costa Borgnone oberhalb Camedo zeigen, hängt wohl mit Albert R. Diener zusammen, der dort bereits in den sechziger Jahren sein Feriendomizil hatte. Als Art Director der Swissair war er auch für die Luftaufnahmen zuständig.

Die Suchfunktion auf e-pics ermöglicht auf einfache Weise historische Bilder zu finden. Die Plattform lädt auch ein, Informationen zu unbekanntem Bildmaterial zu ergänzen. Schau dich doch mal um!

Temperaturen, Niederschlag und globale Strahlung

Mit den Statistiken zu Temperaturen, Niederschlag und globaler Strahlung weisst Du , wie das Wetter im Alta Centovalli in der Vergangenheit war. Auf einer Höhe von fast 1000 m.ü.M. weichen die Temperaturen beträchtlich von den Messungen z.B. in Locarno ab. Hier geht es zur Übersicht, wo Du auch die Statistiken des Vorjahres findest.

Die Wetterdaten stammen von der Messstation Costa Borgnone alta Centovalli und wurden freundlicherweise von  MeteoGroup Schweiz zur Verfügung gestellt.

Wut über Felssturz im Val Vigezzo

Ein weiteres Mal hat ein Felssturz (siehe Beitrag Blick) am Ostersonntag auf der Verbindungsstrasse zwischen Locarno und Domodossola zwei Todesopfer gefordert. Die italienischen Behörden unternehmen nach Meinung wütender Anwohner zu wenig, um die italienische Seite der Strasse zu sichern. Das Unglück ereignete sich in der Nähe des Weilers Meis, unweit der Schweizer Grenze. Betroffen war ein Ehepaar aus der Schweiz.

Täglich benutzen über 1500 italienische Grenzgänger (frontalieri) diese Strecke zu ihrem Arbeitsplatz im Locarnese. In den Social Media tobt sich nun der Ärger der Betroffenen aus. Da auch die Zugsverbindung mit der „Centovallina“ bis auf weiteres unterbrochen ist, bleibt den Grenzgängern nur der weite Umweg von Malesco über das Valle Cannobino.

Bereits einmal hatten sich die Bürgermeister der Region zusammengeschlossen und einen Anschluss an den Kanton Tessin gefordert, nachdem die Regierung in Rom monierte, sie hätten nicht gewusst, dass dieses Tal noch zu Italien gehöre. Auch damals ging es um die zögerliche Bereitsstellung von Geldern für dringend notwendige Sicherungsmassnahmen dieser Strasse.

Update zu Strasse und Schiene

27. Mai 2018: Die Züge der Centovallina zwischen Locarno und Domodossola verkehren wieder gemäss ordentlichem Fahrplan.

Die Nationalstrasse SS 37 ist zwischen 17 Uhr abends und 8 Uhr morgens geöffnet sowie jeweils eine Stunde über Mittag. Zu den übrigen Zeiten bleibt die Strasse komplett gesperrt, um die notwendigen Instandstellungsarbeiten fortzusetzen.

 

Kurt Hutterli’s Centovalli

Vor 55 Jahren schrieb der Schweizer Schriftsteller Kurt Hutterli die Erzählung „Tal der hundert Täler“, die 1973 in einer überarbeiteten Ausgabe im Rahmen der Schweizer Heimatbücher beim Verlag Paul Haupt Bern unter dem Titel „Die Centovalli“ erschien.
ISBN 3-258-01636-4

Das etwas mehr als hundert Seiten starke – leider längst vergriffene – Büchlein ist eine faszinierende Quelle von Zitaten, Notizen und Materialien aus den Centovalli, die bis ins 16. Jahrhundert zurück reichen – vom Autor mit Fotografien reich bebildert.

So wird z.B. Karl Viktor von Bonstetten zitiert, der mit der dänischen Dichterin Friederike Brun 1795 durch die Täler ritt: „Kein teutsches Schweizerschwein würde in einige dieser Menschenwohnungen gehen.“ Und Friederike Brun selbst dazu: „…Uns gegenüber, auf einem hohen und vergrösserten Wiesenplane, liegt das Dörfchen Rasa. Diese Dörfer sind elende Steinnester, von armen, halbverhungerten Menschen bewohnt, und diese prächtigen Alpenwiesen nur selten beweidet…“

Von Stefano Franscini wird 1835 zitiert:“ … Wenig fruchtbar und durch die ungünstige Lage und die Schlechtigkeit der Wege ohne Verkehr, ist diese Thal eines der ärmsten des Cantons… An den langen Winterabenden sind die Weiber, welchen stets soviel Arbeit obliegt, fast einzig beschäftigt. Sie spinnen Hanf, Flachs, Wolle, bereiten Leinwand und Anderes für das Haus. Der Mann plaudert oder schlummert; selten arbeitet er…“

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In seinen eigenen Notizen schreibt Kurt Hutterli: „Centovalli – der Name ist berechtigt. Zählt man auf 1000m Höhe die Bäche und Einschnitte (Landeskarte 1:25‘000) kommt man auf die Zahl 178.“ Manche seiner Notizen sind sehr poetisch verfasst, wie folgender etwas längere Textauszug: „Corticello, Maia, Renalo, Remo, Ögna, Cort Antico – Weiler, die zerfallen, Kapellen, die einstürzen, Gässchen unter Brombeerstauden, Terrassen im Buchenwald, an kranken Ästen geschrumpfte Kastanien, hohle Nüsse. Vergessene Weiler mit vergessener Geschichte; überall alte Erde: verwahrlost, verlottert, verwildert. Häuser im Ginster: Gelb flammen sie auf, knistern im Sommer mit schwarzgedörrten Schoten, glühen, gehören Echsen und Schlangen. Im Herbst sind sie die herbstlichsten Häuser, die ich kenne. Hier welken die Stauden, die Bäume, die Dächer und Mauern, hier fallen Blätter, Platten und Blöcke und füllen die Gässchen. Hier bröckeln Rinde und Mörtel, und Äste, Sparren, Türen, Decken und Böden faulen. Verlorene Weiler an verlorenen Wegen: im Winter alte Schlangenhaut, abgestreift zwischen Ginsterbesen, grau, offen, leer.“

Wunderschön geschrieben, findest Du nicht auch?

 Kurt Hutterli (18. August 1944, von Bern) ist kanadisch-schweizerischer Doppelbürger mit einer Affinität zu den Centovalli. Er schrieb auch den Roman „Das Centovalli-Brautgeschenk – Im Waldgut, Frauenfeld 2004“

Seit Januar 2018 hat Kurt Hutterli eine zweisprachige Homepage mit einem spannenden Blog. Unbedingt mal reinschauen!

Tödlicher Unfall bei Schneeräumung

Am Freitagabend, 2. März 2018, ereignete sich bei der Schneeräumung zwischen Lionza und Borgnone ein tragischer Unfall. Der in den umliegenden Dörfern bekannte und geschätzte Maler und Handwerker Antonio Balassi geriet mit dem Schneepflug von der Strasse und stürzte mit seinem Gefährt den Hang hinunter. Erst Stunden später bemerkte ein Autofahrer die Unfallstelle und alarmierte Polizei und Rettungskräfte, die allerdings nur noch den Tod des 60-jährigen Fahrers feststellen konnten.

Es ist üblich im Centovalli, dass Schneeräumungsarbeiten im Auftrag der Gemeinde durch Private wahrgenommen werden. Verschärft hat sich diese Aufgabe im schwierigen Gelände durch den Umstand, dass Sicherheitsplanken vielerorts fehlen. Nach den schweren Stürmen im Sommer 2017 mussten ganze Hänge mit hunderten von Bäumen gerodet werden, die zuvor mindestens einen gewissen Schutz boten.

Restaurierungsprojekt Palazzo Tondue

Frischer Wind weht für die seit Jahrzehnten fällige Restaurierung des stolzen Palazzo Tondü in Lionza. Das Amt für Heimatschutz des Kantons Tessin hat das Restaurierungs-Projekt verabschiedet. Das Vorhaben ist Teil des Centovalli- Masterplan, ein vom Kanton beauftragtes Programm, welches wirtschaftlich schwächeren Gebieten mehr Autonomie und ökonomischen Aufschwung bringen soll.

Die Ziele sind hochgesteckt: Nebst einem Seminar- und Versammlungsraum soll mit der Schaffung eines Wellnessbereichs mit Sauna und Türkischem Bad den Besuchern Erholung sowie mit einer thematischen Bibliothek auch Wissensbildung angeboten werden. Den beliebtesten Höhepunkt dürfte aber die vorgesehene Osteria zur Degustation lokaler Produkte bilden.

Prof. Daniele Maggetti stellt uns die deutsche Fassung des Restaurierungsprojekts als PDF zur Verfügung.

Wenn Du noch mehr über den Palazzo erfahren möchtest schau doch mal in den letztjährigen Beitrag zur Legende des Palazzo Tondü.

 

Abfallkalender 2018

Der neue Abfallkalender 2018 für die Gemeinden Centovalli und Palagnedra sowie dieTerre di Pedemonte und das Valle Onsernone ist erschienen.

Enthalten sind auch die Daten für Spezialabfälle, Sperrgut und Entsorgungsmöglichkeiten im Ecocentro Petrucciani der Comune Centovalli sowie Informationen zur Abfalltrennung. Ein wirklich sinnvolles Instrument für den Alltag im Tal!

Die Comune Centovalli hat zudem eine neue Website, um viele weitere Informationen abzurufen: www.centovalli.swiss

 

Fabio Girlanda’s Zirkone

Es war einmal ein Strahler namens Fabio Girlanda, der fand vor 10 Jahren einen mehrere Zentimeter grossen, perfekt geformten Zirkon  auf einem Pegmatit* im Centovalli. Ein Fall von mineralogischem Gigantismus, den man so in den Alpen noch nicht gesehen hat. Zirkon ist vor bis zu 4,4 Milliarden Jahren entstanden; es ist das älteste bekannte Mineral der Erde. Dazu gesellten sich noch andere Mineralien, die man für die Schweiz noch nicht kannte (Cancrinit, Sodalith) oder sehr selten antrifft wie der Nephelin.  „Fabio Girlanda’s Zirkone“ weiterlesen